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Im Rettungsdienst für die Menschen

Krankenwagen zum Transport von Kranken und Patienten gab zwar schon vor diesem Jahr, aber Technik und Personal einzig für den Fall einer medizinischen Notlage bereitzustellen, war schon ein Novum. Zum damaligen Zeitpunkt sprach allerdings niemand von einem Rettungsdienst.

Das erste SMH Fahrzeug wurde 1978 eingeweiht
Die Notfallrettung hieß „Schnelle Medizinische Hilfe“, kurz SMH und umfasste ein Fahrzeug für die lebensbedrohlichen Notfälle und eines für den ärztlichen Hausbesuchsdienst. Die Aufgabe dieses System zu unterhalten, oblag dem Deutschen Roten Kreuz der DDR.

Nach der Wende wurde dann das System verändert, und dem Recht der Bundesrepublik angepasst. Das in den Jahren nach der Wende aufgebaute System, nannte sich „Rettungsdienst“ und umfasste nur noch die Hilfe für lebensbedrohliche Zustände, sowie den Krankentransport. Hausbesuchsdienste sollten durch die ortsansässigen Hausärzte durchgeführt werden.

Das erste Fahrzeug, welches nach der Wende angeschafft wurde, ein Mercedes Benz, war keinesfalls so luxuriös ausgestattet, wie es sich so mancher erhofft hat. Die Medizintechnik entsprach der der SMH und das Fahrzeug selbst war zwar größer und geräumiger, dafür aber bedeutend schlechter gefedert als die DDR Fahrzeuge. Die Technik der Medizin hat sich aber in relativ kurzer Zeit rasant entwickelt und steht heute in keinen Vergleich mehr zur damaligen Ausrüstung.

Der heutige Rettungsdienstes richtet sich nach dem Rettungsdienstgesetz, welches die primäre gesetzliche Grundlage darstellt. Es wurde im Jahr 1993 beschlossen und verabschiedet. Dieses Gesetz regelt die Aufgaben des Rettungsdienstes, gibt strukturelle Anweisungen, stellt personelle Richtlinien auf, gibt Hilfsfristen vor und nicht zuletzt regelt es auch die Voraussetzungen für die Genehmigung der Leistungserbringer. Allerdings wird dieses Gesetz von den Bundesländern erlassen. Deshalb gibt es nicht nur ein Rettungsdienstgesetz, sondern für jedes Bundesland eines. Das in Sachsen-Anhalt gültige Rettungsdienstgesetz von 1993, wird im Jahr 2007 durch ein neues überarbeitetes Gesetz ersetzt, welches mit Prämisse auf finanzielle Einsparungen entworfen wurde. Ob dies Einfluss auf die Qualität und die Funktionsfähigkeit des vorhandenen Rettungsdienstes hat, wird die Zukunft zeigen.

Das Rettungsdienstgesetz hat als wichtigste Grundlage die "Hilfsfrist". Nach ihr werden die Standorte und die Notwendigkeit von Technik und Personal berechnet. Hilfsfrist bedeutet, dass im Normalfall innerhalb von 12 Minuten ein Rettungswagen am Notfallort eintreffen muss. Das Gesetz lässt allerdings eine gewisse Schwankungsbreite zu. Auf dieser Grundlage wurden die Standorte hier im Jerichower Land ausgewählt und errichtet.


Im Jahr 2005 im Kreisverband eingesetztes Fahrzeug.
Vier Rettungswachen unterhält der DRK Kreisverband im Landkreis. Drei davon sind in den Städten Burg, Genthin und Gommern, mit jeweils einen Rettungswagen und einem Notarztfahrzeug. Ein Standort, mit Rettungswagen, ist in der Gemeinde Theeßen stationiert, hauptsächlich zur Absicherung der Bundesautobahn. Notarzt und Rettungswagen fahren im sogenannten Rendezvous-System, was bedeutet, dass beide unabhängig voneinander sind und sowohl eigenständig als auch zusammen Einsätze fahren. Diese Eigenständigkeit bedingt aber einen sehr hohen Ausbildungsstand des im Rettungsdienst eingesetzten nicht ärztlichen Personals. Notfallmedizin bedeutet immer eine hohe Verantwortung. Überhaupt wird Qualität in der Arbeit des Rettungsdienst unseres Kreisverbandes sehr groß geschrieben. Schließlich hängt von den Fähigkeiten des Personal und der eingesetzten Technik Menschenleben ab. Um diesem gerecht zu werden, sind alle Mitarbeiter im Rettungsdienst verpflichtet, regelmäßig und in hohem Umfang Weiterbildungen zu besuchen. Es gilt auch hier, wer aufhört zu lernen, treibt zurück und verpasst den Anschluß.


Rettungswache Genthin, seit 2006 Lehrrettungswache
Neues Personal für den Rettungsdienst auszubilden, gehört leider nicht zu den von den Krankenkassen genehmigten Leistungen. Lehrstellen, wie sie in anderen Berufen angeboten werden, gibt es daher nicht. Trotzdem hilft der DRK KV Jerichower Land auch hier, soweit es die Möglichkeiten zulassen. Die berufliche Ausbildung zum Rettungsassistenten erfolgt in speziellen Rettungsdienstschulen. Das sich anschließende praktische Jahr muss in staatlich genehmigten Lehrrettungswachen durchgeführt werden, von denen es nicht sehr viele gibt. Die Rettungswache in Burg hat eine solche Anerkennung bereits seit vielen Jahren. Trotzdem gibt es viel mehr Bewerber für einen Praktikumsplatz, als Stellen. Mit dem Umzug der Rettungswache Genthin in ihr neues Dienstgebäude eröffnete sich auch hier die Möglichkeit, eine Anerkennung zu beantragen. Seit November 2006 kann sich die Rettungswache in Genthin Lehrrettungswache nennen, dies ist eine minimale Entlastung für die nach Praktikumsstellen suchenden, aber der Kreisverband hilft wo er kann.